Wie kam es eigentlich zum Lebenshof?

Da waren die Wirren der Nachwendezeit, kaum jemand, der sich nicht neu orientieren musste, unüberschaubar die Fülle der neuen Möglichkeiten, aber auch Ein- und Abbrüche und Lebenskrisen.

Die katastrophale Situation im psychiatrischen Gesundheitswesen erlebten wir bei der Begleitung von betroffenen Freunden und Verwandten.

Was lag da näher, als selbst Initiative zu ergreifen?

1992 machten sich die Initiatoren auf die Suche nach Alternativen.Sie trafen auf interessante Menschen, die sie darin bestärkten, eine neue Form von Unterstützung für Menschen in seelischen Krisen und mit psychischen Erkrankungen zu schaffen. Insbesondere waren die anthroposophischen Sozialprojekte eine große Entdeckung.

1993 reisten Annette, Jule und Diethard kreuz und quer durch Deutschland. Es eröffneten sich viele Kontakte. Sie sprachen mit dem Psychiater Walther Dahlhaus in Freiburg, mit Wilhelm Barkhoff von der GLS Bank in Bochum und besuchten einige Initiativen, die psychisch kranke Menschen begleiteten.

Hier erfuhren sie viel Zuspruch und Anregungen für ihre Idee.

Jetzt war klar, der richtige Ort musste gefunden, ein Verein gegründet und eine Vielzahl von Mitstreitern begeistert werden. Die nächsten Reisen führten quer durch Thüringen – bis schließlich 1994 ein Hof in Ettischleben entdeckt wurde.

Mitte 1994 führten die langen Verhandlungen mit dem Hofverkäufer zum Erfolg. Es wurde der Verein Lebenshof e.V. gegründet und der Kaufvertrag für den Hof am 31.01.1995 unterschrieben. Neben umfangreichen Baumaßnahmen musste die inhaltliche Arbeit konzipiert und in Angriff genommen werden, Verhandlungen mit dem Land Thüringen und der Kommune standen an. Viel Unterstützung erhielten wir in dieser Zeit vom Sozialamt in Arnstadt.

Mit Zuwendungen vom Land, der “Aktion Mensch“ und der Stiftung “Hilfswerk behindertes Kind“ konnten 1996 zwei Seiten unseres Vierseitenhofes für Wohn und Betreuungszwecke ausgebaut werden.

Am 01.07.1997 begannen wir mit unserer eigentlichen Betreuungsarbeit. Nach und nach wurden weitere Wohnräume für Mitarbeiter und Gäste fertiggestellt, so dass wir sehr schnell auch viele Menschen waren, die den Hof bewohnten.

2005 wurde ein Teil der Scheune zu einem schönen Saal ausgebaut. Da viele Eigenleistungen möglich und nötig waren, konnten wir an vielen Arbeitssamstagen mit Gemeinschaftsaktionen diesen Ausbau voran bringen. Auch der Neubau eines Hauses auf der dritten Seite des Hofes hielt uns bis 2012 in Atem.

Bis 2013 wurden die Scheunendächer und ein Giebel erneuert. Und wir konnten uns ein neues Bienenhaus errichten lassen.

Bevor der Lebenshof seine Arbeit beginnen konnte, bedurfte es großer Anstrengungen. Zugleich war es eine geradezu abenteuerliche und ungeheuer lebendige Zeit, die wohl niemand vermissen will. Den Helfern sei genauso Dank gesagt wie all den Wegbegleitern, die bis heute unserem Hof Leben einhauchen.

Fotos aus der Anfangszeit